"Werder Bremen wird immer einen Platz in meinem Herzen haben"

Was macht eigentlich...Markus Rosenberg?

Markus Rosenberg jubelt über ein Tor im Werder-Trikot
Markus Rosenberg erzielte 53 Tore für Werder (Foto: nordphoto).
Interview
Dienstag, 06.12.2022 / 13:00 Uhr

Das Interview führte Lennart Sörnsen

Im Januar 2007 wechselte der 24-jährige Markus Rosenberg an die Weser. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich ‚Rosi‘ zum Fanliebling. Tore schießen konnte der sympathische Schwede auch. 53 an der Zahl waren es in 165 Spielen für die Grün-Weißen. Eine gute Quote, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Sturmpartner Pizarro, Almeida oder auch Klose hießen. 2019 beendete er bei seinem Herzensverein Malmö FF seine Karriere mit einer Geschichte, wie sie nur der Fußball schreibt. Nach einer rasanten Partie schoss der damals 37-Jährige in der Nachspielzeit das entscheidende Tor und brachte Malmö, sein Malmö, somit in die nächste Runde der Europa League.

Im Interview mit WERDER.DE erklärt Rosenberg, heute 40 Jahre alt, was Werder damals auszeichnete und welchen Weg er nach seiner aktiven Laufbahn eingeschlagen hat. 

WERDER.DE: Hallo Markus, du hast 2019 deine Karriere beendet und bei deinem letzten Heimspiel den entscheidenden Treffer gemacht. Wie erinnerst du dich an diesen Tag zurück?

Markus Rosenberg: "Europaabende in Malmö sind immer sehr besonders. Und so, wie sich das Spiel dann entwickelt hat, dass wir das Spiel drehen und durch mein Tor gewinnen konnten und in der Europa League in die nächste Runde eingezogen sind - da gab es nicht viel dran auszusetzen (lacht)."

WERDER.DE: Wie geht es dir heute? Vermisst du es auf dem Platz zu stehen?

Markus Rosenberg: "Es gibt nichts besseres als Fußballspieler zu sein. Das werde ich immer vermissen. Aber direkt nach meinem Karriereende habe ich meine Agentur gestartet, mit der ich die letzten drei Jahre gearbeitet habe. Wir sind jedes Jahr ein wenig gewachsen und man ist trotzdem noch im Fußball involviert, das macht mir weiterhin sehr viel Spaß."

WERDER.DE: Wie sieht ein normaler Arbeitstag jetzt aus?

Markus Rosenberg: "Es geht viel darum, mit Spielern zu sprechen, Fußball zu schauen und sich mit Vereinen in ganz Europa zu treffen. Man ist viel für die Spiele unterwegs. Es ist kein „Montag bis Freitag“-Job sondern genau wie im vorherigen Fußballleben. Ich hätte ein Problem damit, vom Fußball in einen normalen Joballtag zu gehen, insofern funktioniert das so sehr gut."

WERDER.DE: Du bleibst uns im Fußball also noch lange erhalten?

Markus Rosenberg: "Ich glaube schon. Ich habe das Gefühl, dass ich mein Ding gefunden habe. Etwas, was ich gut kann und wo ich drauf aufbauen kann. Was mir als Fußballspieler ein wenig gefehlt hat, war die Freiheit. Man hat die ganze Zeit nur nach einem Zeitplan gelebt. Ich schätze es sehr, dass ich viel reisen und arbeiten, aber auch nach meinen Bedürfnissen und selbst entscheiden kann. Das ist das beste daran, dass ich nicht mehr aktiv spiele."

Als ich mit dem Fußball aufgehört habe, wollte ich erstmal außerhalb vom Vereinsfußball tätig sein, um den Fußball aus einer anderen Perspektive zu erleben.
Markus Rosenberg

WERDER.DE: Zwei Spieler mit denen du in Bremen zusammengespielt hast, Frank Baumann und Clemens Fritz, sind heute als Funktionäre für den SVW tätig, ist das eine Rolle, die du dir ebenfalls vorstellen könntest?

Markus Rosenberg: "Man weiß nie, was die Zukunft so bringt. Als ich mit dem Fußball aufgehört habe, wollte ich erstmal außerhalb vom Vereinsfußball tätig sein, um den Fußball aus einer anderen Perspektive zu erleben. Ich fühle mich sehr wohl in dem, was ich gerade mache."

WERDER.DE: Du bist 2007 nach Bremen gekommen. Wie kam es dazu?

Markus Rosenberg: "Ich bin erstmal von Malmö zu Ajax gewechselt. Schon da hatte Werder die Finger mit im Spiel - letztlich bin ich zu teuer geworden. Als ich dann Ajax verlassen wollte, war Bremen erneut Thema und ich hatte ein sehr gutes Gefühl. Mit Thomas Schaaf war der Trainer schon lange da und Werder hat ähnlich wie Malmö gespielt. Das 4-4-2 mit Raute und einem weiteren Angreifer lag mir. Dazu natürlich die Bundesliga. Es gab viele positive Dinge. Trotzdem hätte ich nicht geahnt, dass es für mich und den Verein so gut laufen würde."

WERDER.DE:  Du nennst die Bundesliga. Ist das eine Liga die du schon vorher viel verfolgt hast und spannend fandst?

Markus Rosenberg: "Ja, auf jeden Fall. Damals ist man mit der italienischen und englischen Liga aufgewachsen. Aber als man etwas älter wurde, kam dann die Bundesliga dazu. Und dann war da die WM 2006. Wir haben mit Schweden in Bremen im Park Hotel gewohnt, während wir dort waren. Und dann ist man in ganz Deutschland rumgekommen und hat einen besonders tollen Eindruck von deutschen Stadien und auch von den Menschen in Deutschland und speziell in Bremen bekommen."

WERDER.DE: Ist dir damals ein Tor besonders in Erinnerung geblieben?

Markus Rosenberg: "Ich habe nie besonders schöne Tore gemacht (lacht). Es sind eher die großen Spiele, die mir spontan in den Kopf kommen. Das Spiel gegen Real Madrid in der Champions League, ein Hattrick gegen Hertha Berlin und vielleicht Bayern. Da haben wir 5:2 auswärts gewonnen und ich habe zwei Tore gemacht. Generell sind es eher die Tore von Mitspielern, die besonders waren. Diego hatte ein unfassbares Tor, Özil auch. Und Pizarro natürlich."

WERDER.DE: Gibt es einen Teamkollegen, den du besonders gut in Erinnerung hast und welche, mit denen du heute noch Kontakt hast?

Markus Rosenberg: "Ich habe generell noch zu allen einen guten Kontakt aber in Erinnerung bleiben natürlich Klose, Pizarro, Özil, Diego, Hugo Almeida. Die Spieler, die auf dem Platz um einen herum waren. Daniel Jensen und ich haben sehr gut zusammengepasst, von ihm habe ich viele gute Zuspiele bekommen."

Klaus und Thomas waren gut darin, diese Siegermentalität zu schaffen, dass man immer den Glauben hatte zu gewinnen. Man ist auswärts nach München gefahren und hat wirklich an einen Sieg geglaubt.
Markus Rosenberg

WERDER.DE: Ihr hattet eine sehr erfolgreiche Zeit in Bremen und habt auch den letzten Titel für den Verein geholt. Was hat euch so erfolgreich gemacht?

Markus Rosenberg: "Thomas Schaaf und Klaus Allofs haben es damals geschafft, viele Spieler zu holen, die es woanders nicht geschafft haben. Hugo Almeida und Diego bei Porto, Özil bei Schalke. Schalke war damals schlechter als wir und dennoch haben wir ihn dort weggeholt und bei uns konnte er sich dann durchsetzen. Es waren viele Spieler, die von schlechteren Vereinen gekommen sind und bei uns dennoch gut funktioniert haben. Und es war eine ganz besondere Umkleidekabine mit extrem vielen Siegertypen."

WERDER.DE: Ist es das was du auch besonders mit der Zeit und dem Team in Verbindung bringst?

Markus Rosenberg: "Wir hatten eine Gewinnerkultur. Es waren extrem viele Gewinner und viele, die Verantwortung übernommen haben. Wenn ich auf meine Karriere zurückblicke, sehe ich mich als Anführer. Aber in dieser Mannschaft in Bremen waren unendlich viele größere Anführer als ich. Es waren wirklich viele, die Verantwortung übernehmen wollten und um jeden Preis gewinnen wollten. Klaus und Thomas waren gut darin, diese Siegermentalität zu schaffen, dass man immer den Glauben hatte zu gewinnen. Man ist auswärts nach München gefahren und hat wirklich an einen Sieg geglaubt."

Es wurde unfassbar viel von uns gefordert. Die Menge an Training, es war komplett absurd. Aber wir waren verdammt stark.
Markus Rosenberg

WERDER.DE: Was haben sie gemacht um dieses Gefühl zu wecken?

Markus Rosenberg: "Sie haben hohe Anforderungen an uns gehabt, das hätte mit der heutigen Generation vermutlich gar nicht funktioniert. Es wurde unfassbar viel von uns gefordert. Die Menge an Training, es war komplett absurd. Aber wir waren verdammt stark. Im Nachhinein betrachtet waren sie gut darin, Spieler zu holen, die diesen Forderungen gewachsen waren und schafftest du es nicht dieses Gefühl zu bekommen, diese Mentalität die dort herrschte, hattest du einfach keine Chance. Das war schon sehr besonders. Damals hatte man nicht das Wissen, was man heute hat. Jetzt trainiert man ja mit GPS und es gibt rote Zonen und so weiter. Damals mit Thomas Schaaf wären wir wohl jeden Tag in der roten Zone gewesen."

WERDER.DE: Für Claudio Pizarros Abschiedsspiel warst du wieder in Bremen. Wie hat es sich angefühlt?

Markus Rosenberg: "Es war herrlich. Bremen ist sowas wie mein zweites Zuhause. Meine Tochter wurde hier geboren, wir haben hier die längste Zeit außerhalb von Schweden verbracht. Werder Bremen wird immer einen Platz in meinem Herzen haben."

WERDER.DE: Nach Malmö natürlich.

Markus Rosenberg: "Ja, Malmö wird immer die Nummer eins bleiben."

WERDER.DE: Was macht Malmö so besonders?

Markus Rosenberg: "Ich bin hier groß geworden, habe mit fünf Jahren angefangen bei Malmö zu spielen. Dann geht man für zehn Jahre weg und kommt mit der Hoffnung wieder zurück, noch ein paar Jahre spielen zu können und dann qualifizieren wir uns für die Champions League, gewinnen die Liga und alles was noch kam. Es hat alle Erwartungen übertroffen. Es ist einfach mein Heimatort und wird für immer mein Zuhause bleiben. Malmö wird immer den größten Platz in meinem Herzen einnehmen."

WERDER.DE: Du hast einmal gesagt, dass du nach deiner Karriere als ein Gewinner in Erinnerung bleiben willst. Hast du das geschafft?

Markus Rosenberg: "Das hoffe ich schon. Natürlich wächst das auch mit der Zeit. Als ich zu Werder kam, war ich noch jung. Ich musste schnell wachsen, weil ich große Verantwortung bekommen habe und viele Spieler mit viel Erfahrung um mich hatte. Ich bin von Ajax gekommen, wo alle Spieler in einem ähnlichen Alter waren. Wir waren alle zwischen 18 und 24 und dann kommt man zu einem Werder Bremen mit Spielern wie Klose und Frings. Malmö hat den Grundstein gelegt. Dort bin ich mit einer Gewinnerkultur groß geworden. Bei Ajax gab es die auch und dann ging es nach Bremen, wo zu der Zeit eine enorme Mentalität in der Truppe herrschte. In Spanien und England habe ich dann gar keine Gewinnerkultur erlebt. Das war auch ein Grund, warum ich zurück nach Malmö wollte. Ich habe diese Einstellung sehr vermisst. Das man in jede Saison reingeht und gewinnen soll, jedes Spiel soll man gewinnen. Das passte einfach zu mir als Mensch."

Lieber Markus, vielen Dank für das nette Gespräch!

 

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