Zlatko Junuzovic (Salzburger AK 1914)

Dieses Thema im Forum "Ehemalige Werderaner" wurde erstellt von Christian Günther, 27. Januar 2012.

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  1. gelöscht

    gelöscht Guest

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    Du schreibst es richtig. "Mehr oder weniger" Stamm... und genau dieses mehr oder weniger war das Problem, dass das Mittelfeld nicht eingespielt wurde und es ein Neuzugang eben extrem schwer hat. Dazu keine ordentliche Vorbereitung.
     
  2. Mick_666

    Mick_666 Guest

    Richtig, es geht um die "Randbedingungen". Und da nicht mal unbedingt um eine verunsicherte Truppe, denn das ist nur die Wirkung, nicht die Ursache.

    Da das Gladbach-Spiel hier erwähnt wird. Jo, da war ich im Stadion. Sehr schönes Beispiel wie eine insgesamt normal bis minder talentierte Mannschaft (Gladbach) gegen eine insgesamt normal talentierte Mannschaft (Werder) aussehen kann. Gladbach war individuell niemals besser besetzt, aber du wusste jeder, wie und wann er welchen Ball wohin spielen musste. Wie ein Ball in den richtigen Fuß gespielt werden muss, flach gepasst wird, statt gehoppelt. Wie jeder zum Ball stehen muss. Wie sich Spieler individuell unter Bedrängnis verhalten sollten und aus der Enge befreien können oder, besser noch, Unterzahlsituationen möglichst vermeiden können. Werder im selben Spiel der genaue Gegenentwurf. Hoher Laufaufwand, hohe Intensität, gute Bereitschaft, aber kein einziger abgestimmter Laufweg, typisch miese Raumaufteilung, von den angesprochenen fußballerischen Grundlagen ganz zu schweigen.

    Ich glaube fast, keine Truppe in der Bundesliga hat solche Schwächen in den Basics. Und genau das ist nun mal eine elementare Aufgabe eines Trainerstabes. Es fällt doch immer wieder auf, dass viele Zugänge bei uns zunächst noch passabel anfangen, aber dann im "Werder-Rhythmus" abstürzen. Das sind heute (fast) alles keine Straßenfußballer mit entsprechenden Charakteren mehr, die genug Selbstverantwortung entwickeln, so dass ein Trainer die "Dinge" einfach laufen lassen und sich auf "Automatismen" beschränken bzw. konzentrieren kann.

    Deshalb kommt eine Mannschaft mit vielen durchschnittlich talentierten Einzelspielern heute kaum noch gegen eine ebenso durchschnittlich talentierte, aber gut organisierte Mannschaft an, sofern nicht der Spielverlauf besonders günstig ist, glückliche Umstände reinspielen, eins, zwei Individualisten es im Alleingang herausreißen. Oder das Ganze mit viel höherem Aufwand in Laufarbeit und Kampf kaschiert wird (was aber über 90 Minuten kaum zu schaffen ist, außerdem gibt es nicht viele Gegner, die sich dieses Handicap geben). Wie oft das klappt, haben wir in der Rückrunde oder letzte Saison gesehen.

    Passt es in der Truppe, ziehen alle am gleichen Strang, kann sich auch unter diesen Voraussetzungen ein Lauf entwickeln, der zumindest zeitweise gute Ergebnisse bringt, läuft aber irgendwas nur im Ansatz schief, fehlen Schaaf` s Mannschaften Eigeninitiative, kluge Mittel an Spielführung sowie taktisches Rüstzeug und der Mist geht von vorne los. War ja nicht die erste Rückrunde, in der wir auf die Weise alles verspielen.

    Und ohne eine solche, solide Grundstruktur sehen eben mannschaftliche Systemspieler wie Junuzovic (gutes Passspiel, auf vernünftigem Niveau lauf- und zweikampfstark, aber keine herausragende Übersicht und Antizipation, durchschnittliches Spielverständnis) bei uns auf Dauer einfach nur dumm aus, wenn der oder die intelligenten Spieler a` la Micoud oder Baumann daneben fehlen, die quasi die Trainerarbeit mit übernehmen und - das wird doch gerade in Zeiten wie diesen überdeutlich – Schaaf geraume Zeit gut aussehen liessen.

    Schwächen in den Basics plus die gewohnten taktischen Defizite und Arroganz hinsichtlich Gegnerorientierung, eine gefährliche Mischung. Schaaf und sein Stab werden nicht plötzlich alles umstellen, was 13 Jahre offenbar vernachlässigt wurde. Was Allofs auch versucht, solange keine Volltreffer gelingen, also ein oder besser noch zwei, drei hoch spielintelligente, erfahrene Leute geholt werden, wird sich da nichts ändern. Und die sind heuer viel schwerer zu bekommen als vor 10 Jahren. Also Spieler, mit denen jeder Trainer gut arbeiten könnte und Erfolge einfahren würde, solange er kein überzogener Disziplinfanatiker in Bezug auf sozial inkompatible Mätzchen ist. Unsere größte Baustelle befindet sich auf der Bank, nicht im "Trümmermittelfeld". Wobei letzteres dann doch wieder die größte Baustelle ist, weil ersteres nicht angegangen wird. Insofern hat Maddin im Umkehrschluß wieder recht.

    Wie immer nur meine Meinung.
     
  3. gelöscht

    gelöscht Guest

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    In Bezug auf die Grundordnung gebe ich Dir Recht. Flache Pässe in den Fuß zu spielen, ist aber eher ein Ausdruck fußballerischer Fähigkeiten.
     
  4. Mick_666

    Mick_666 Guest

    Ja, natürlich. Das hat sehr wohl mit individualtechnischen Defiziten zu tun.

    Aber wo fängt dann die Arbeit des Trainers an? Die Defizite Defizite sein lassen und hoffen, dass die Burschen schlau genug sind, sich selbst weiterzubilden oder eben wissen, wie und vor allem warum sie dieses überhaupt lernen und immer wieder abrufen müssen?

    Hier wird einfach etwas vorrausgesetzt, was nicht funktioniert, schlimmer noch, es entsteht der Eindruck, dass aus diesem Nichtfunktionieren keine Konsequenzen gezogen werden. Und genau aus dem Grund verkauft sich Werder meiner Ansicht nach seit vielen Jahren unter Wert.

    Um beim Gladbach-Spiel zu bleiben. Auch denen ist beileibe nicht alles gelungen (individualtechnische Defizite), aber Du hast ihnen angemerkt, dass sie zumindest wussten, wie sie diesen oder jenen Pass spielen, wie sie sich stellen mussten und welcher Weg möglich sinnvoll oder eben nicht sinnvoll war. Im Gegensatz zu Werder. Aber sowas sind eindeutig Basics und in der täglichen Trainingsarbeit verwurzelt.

    Dante zum Beispiel hatte einen gebrauchten Tag und irgendwie fiel (mir jedenfalls) auf, dass er vielleicht gar nicht so gut ist, wie er oft im System Gladbach aussah. Er sah aber oft gut aus, weil die Basics bei ihm und den Nebenleuten, sowohl einzeln, als auch im Zusammenwirken stimmten. Ähnliches gilt im Prinzip für Hanke, der an jenem Tag allerdings einen Gala-Abend erwischte. Diese eher simplen Ansätze dokumentieren manchmal den Unterschied zwischen mittelmäßiger und guter Trainerarbeit. Ansätze, die für finanziell nicht so gut betuchte Vereine aber umso wichtiger sind, weil es da immer um Spieler - wichtiger noch - um Mannschaftsentwicklung geht.
     
  5. gelöscht

    gelöscht Guest

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    Mal auf Micks Kritik zu den Basics:

    Das sind doch Dinge, die man in jedem Training und in jeden Spiel benötigt. Wie kann es sein, dass ein Profispieler das, wie du sagst (berichtige mich, wenn ich falsch liege):

    a) gar nicht erst richtig kann

    und

    b) bei Werder verlernt.

    zu a: Wie kann es sein, dass es ein Profi auf ein solches Niveau schafft in der Bundesliga, wenn er Basics wie flach passen und den Ball sauber annehmen nicht ordentlich kann

    und zu b: Wie kann es sein, dass ein Spieler der diese Basics draufhat, und sie eigentlich jeden Tag anwenden muss, bei Werder verlernen kann?
     
  6. Das hängt doch auch mit dem Spieltempo zusammen, hat man österreich noch mehr Zeit den Ball anzunehmen und sauber zu passen muss es in Deutschland wesentlich schnell gehen und häufig direkt - von daher hat er das nicht verlernt, sondern kann bei einem höherem Spieltempo nicht anwenden
     
  7. gelöscht

    gelöscht Guest

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    Wir haben ja auch Spieler, die es in Deutschland schon mal konnten ;)
     
  8. Hab mich jetzt speziell auf Junuzovic bezogen, bei den anderen hat es auch wohl was mit Form und Gemütslage zu tun, wenn man verunsichert ist, klappen selbst die einfachsten Dinge nicht, ich glaube in der Rückrunde waren einige nicht mal in der Lage sich unfallfrei ein Brot zu schmieren...
     
  9. Mick_666

    Mick_666 Guest

    Wie ich schon andeutete, weil das heutzutage zu einem überwältigend großen Anteil verwöhnte Burschen sind, die meinen, sowieso alles zu können und kaum mit Kritik umzugehen verstehen.

    Warst Du mal zu DFB- oder Stützpunkt-Turnieren im Nachwuchsbereich? Oha. Und da sind meistens schon nur die Junioren vertreten, die noch einigermaßen die nötige Einstellung mitbringen, sonst wären sie nicht dort.

    Meine Vermutung ist die: Schaaf müsste entweder a) seine Trockenheit ablegen und die nötige Prise Verrücktheit einstreuen, um die Jungs auf emphatische Art zu beeindrucken (selbst wenn es hin und wieder nur tumbes Geschwätz ist, aber das, was die verstehen) oder eben b) die in eine striktere Ordnung und einen klareren Handlungsrahmen in Spielweise/ Taktik/ Strategie schaffen/ zwängen.
    Kann er das?
    Die dritte Möglichkeit wäre, gerade weil die ordnende Hand (scheinbar) nicht vom Trainer kommt, wieder eine Mannschaft zusammenzukriegen mit einer Hierarchie, wo die Erfahrenen den Jungen zeigen, was wichtig und richtig ist und sich die "Dinge" selbst entwickeln. Wird wohl nicht klappen.

    Einen Satz von TS vor ein paar Wochen fand ich allerdings wichtig, als er sagte, er wolle künftig "die Spieler mehr in die Pflicht nehmen". Mal abgesehen davon, dass dies viel früher hätte passieren müssen, wäre es ein sehr guter Anfang. Wer`s glaubt….
     
  10. gelöscht

    gelöscht Guest

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    Ich sehe meine Frage noch nicht beantwortet...

    Nochmal: Wie kann es passieren, dass Profis die Basics "verlernen", die jeden Tag zwangsläufig gebraucht werden?

    Ein ITler, der in seiner Ausbildung gelernt hat, WinXP zu installieren, und das auf seiner neuen Arbeitsstelle täglich tun muss, (wie passen, Ball annehmen) kann das ja auch nicht plötzlich verlernen.
     
  11. gelöscht

    gelöscht Guest

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    Ich denke das hat zwei Gründe: Erstens haben die Mittelfeldspieler, die wir derzeit bei Werder haben, mit ausnahme evtl. von Hunt, diese Qualität schlicht nicht. Und zweitens fehlt es an Automatismen, was sowohl auf die fehlende Eingespieltheit wie auch auf die von Mick angesprochenen fehlenden Vorgaben zurückzuführen sein könnte. Also sind sowohl die fehlende Qualität als auch die vielen Verletzungen und die Fehler des Trainerstabs wichtige Gründe.
     
  12. gelöscht

    gelöscht Guest

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    Fehlende Qualität um Basics drauf zu haben sehe ich nicht so. Denn von allen Spielern die in unserm Mittelfeld laufen habe ich schon mehrere Spiele am Stück gesehen, dass sie den Ball annehmen und flach ordentlich passen können.
     
  13. mola23

    mola23

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    H€$$€N
    Kartenverkäufe:
    +1
    Die Pass- und Ballannahmequalitäten können auf diesem Niveau nicht mehr abgesprochen werden, weil, wie Du schon gesagt hast, dies Basics sind. Ohne diese wären die Spieler wohl schon an oder in diversen U-Mannschaften ausgesiebt worden.

    Ich sehe hier eher im Spiel Drucksituationen, mit denen die Spieler (noch) nicht umgehen konnten und dadurch Probleme in der Aufmerksamkeit bzw. Fokussierung auf den entscheidenden Moment.
    Meine These: Im Training haben vermutlich viele Dinge sehr gut funktioniert, aber dann im Punktspiel mit veränderten Rahmenbedingungen, Umständen, schwer zu trainierenden situativen Faktoren insgesamt, funktionierte das dann nicht so wie gewollt.
     
  14. Stell dir vor du weißt schon 2 Sekunden bevor du den Ball bekommst wohin du passen wirst, dann kannst du dich erstens mental darauf vorbereiten, dass du gleich den Pass dort hinspielen wirst und zweitens kannst du dich während der Ballannahme optimal so drehen und Körperspannung aufbauen.
    Der Pass kommt dann definitiv sauberer, als wenn du erst nach der Ballannahme weißt wohin du passen wirst.

    Nur meine eigene Erfahrung als Spieler. :ugly:
     
  15. gelöscht

    gelöscht Guest

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    @Flanke

    Dann liegt es aber nicht daran (wie Mick schreibt) dass die Spieler die Basics nicht mehr können, bzw verlernt haben, sondern dass es in den Automatismen nicht stimmt (was ich ja selbst sage).
     
  16. Mick_666

    Mick_666 Guest

    Nicht die Begriffe vermengen.

    Und Deine Frage habe ich im vorletzten Beitrag beantwortet. Da wird nichts verlernt, sondern es ist ein Kopfproblem sowie eines der fehlenden Weiterbildung. Und an der Stelle ist zum Großteil der Trainer gefragt.

    Nicht schon wieder solche unsinnigen Vergleiche. :roll:
    Erstens hat das tägliche Einmaleins in einer synchronen Arbeit nichts mit einem 90-minütigen Fussballspiel im Leistungssport und damit mit Spitzenleistung auf den Punkt gemein. Zweitens muss ein ITler zuerst verstanden haben, was in seinem Beruf absolut notwendig ist, damit er es anwenden kann, damit es gemäß den Anforderungen überhaupt funktioniert. So ist das aber bei Profi-Fussballern nicht.
     
  17. gelöscht

    gelöscht Guest

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    Sehe ich nicht als so unsinnig an. Die täglichen Basics (die du selbst geschrieben hast: entweder schlecht erlernt, oder ein Spieler verliert die Fähigkeit, wenn er länger bei unserem Verein ist) sind vielleicht nicht synchrone Arbeitsabläufe, aber ein eben ein Basic, dass man beherrschen muss um seinen Beruf auszuführen, und man es regelmäßig jeden Tag ausführt.

    Und was man jeden Tag ausführt, kann man meines Erachtens nicht verlernen. Deswegen die Frage an dich, wie so etwas passieren kann, worauf ich noch keine Antwort bekommen habe.
    (s Beitrag 1270, dein vierter Absatz)
     
  18. Hm was meint ihr eigentlich mit Basics?
     
  19. Auf einem Bein stehen können, mit der Hand an die Nase packen und dann 10 Sekunden stehenbleiben ohne umzufallen.
     
  20. picro71

    picro71

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    Hier geht es (mMn) um die mentale Stärke/Verfassung.

    Das schönste Beispiel ist hier sicher das Elfmeterschießen: Technisch hat das jeder Buli-Spieler drauf und wird im Training eine 99,x Quote haben. Aber unter Druck?

    Der große Unterschied zum ITler: Dieser muss/kann immer über den nächsten Schritt nachdenken, der Fußballer denkt beim z.B. Stoppen nicht mehr nach.

    Alle Sportarten wo es auf Timing, Gefühl und schnelles Handeln ohne viel zu Denken ankommt, sind besonders von der mentalen Verfassung abhängig.
    Selbst im Amateursport wird dir jeder sagen, dass es manchmal lauft und dann wieder nicht.

    Werder hatte in der Vergangenheit (anscheinend) genug charakterstarke Spieler, um sich darüber keine Sorgen zu machen.

    Wenn ich höre, dass der Psychologe (im Abstiegskampf) auf den Wunsch der Mannschaft installiert wurde - behaupte ich: das TS von Spieler erwartet, selber da wieder raus zu kommen. Zumindest in der Rückrunde haben sie es nicht geschafft....

    Was TS wirklich dagegen unternimmt, kann ich natürlich nicht sagen. Wenn man Anleihen aus der Soziologie/Psychologie nimmt und das Prinzip "der kleinen Schritte" anwendet, wären wir wieder bei den von Mick geforderten Basics wie "richtig zum Ball" stehen usw.

    Ziel ist, es dem "zu helfenden" nur erreichbar Ziele zu stecken. Und Werder hat in der RR nicht so agiert, das ihr taktisches Konzept der Raute weiterhilft.

    So, der Vergleich Sozialfall und Fussballprofi hinkt, natürlich da und dort. Allerdings sind psychologischen Hilfsmitteln wieder universell. Und seien wir uns ehrlich: die RR hatte was von Notfall...:D