Erinnerungen: 1992 siegte das Holzbein von Klaus Allofs

Klaus Allofs erinnert sich gerne an den letzten Europa-Cup-Sieg mit Werder. Aber "die Zeit als Spieler ist Vergangenheit". Jetzt wird der UEFA-Cup-Sieg angepeilt.
Profis
Dienstag, 19.05.2009 / 14:39 Uhr

Sehr viel wollte sich Klaus Allofs nicht entlocken lassen, als er nach Erinnerungen an das Europapokal-Endspiel von 1992 befragt wurde. "Die Partie stand nicht gerade unter sehr guten Vorzeichen, um so ein Fußballfest zu werden, an das man sich noch heute erinnert. Wir hatten damals nicht mal 20.000 Zuschauer in einem riesigen Stadion in Lissabon. Das lag daran, dass wir gegen den AS Monaco spielten, die auch in der französischen Liga vor höchstens 5.000 Fans antreten und dass am Vorabend ein schlimmes Unglück auf Korsika passierte. Außerdem war es in der Vermarktung des Fußballs eine ganz andere Zeit."

 

Einzelne Szenen aus der Partie hatte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs nicht mehr so im Kopf, aber was er zu sagen hatte, machte deutlich, welche besonderen Momente dieser 06. Mai 1992 für die ganze Mannschaft bereit hielt. "Spontan fällt mir nicht viel ein, aber ich weiß noch, dass das Gänsehaut-Gefühl extrem war. Wenn du einläufst, dann wirst du einfach mitgezogen von dieser Endspiel-Atmosphäre. Ehrlich gesagt, überkommt mich das immer noch, wenn ich alte Videos sehe. So etwas ist traumhaft. Was man alles so in sich aufsaugt, zeigt doch, dass man heute, 17 Jahre danach, noch darüber spricht."

 

Besonders viel hat man über diesen ersten internationalen Titel der Werder-Geschichte zehn Jahre später gesprochen. Im Jahre 2002 lud Werder Bremen die Helden-Mannschaft noch einmal ins Bremer Rathaus ein. Diesem Ruf folgte fast das gesamte Team. Rehhagel, Rufer, Bode und Co. gaben in entspannter Atmosphäre viele schöne Anekdoten zum Besten.

 

WERDER.DE war damals dabei und hatte die schönsten Storys aufgeschrieben. Hier noch einmal ein Auszug der schönsten Erinnerungen. Schon damals im Mittelpunkt: Stürmer Klaus Allofs.

 

Wynton Rufer (damaliger Publikumsliebling von Werder Bremen):

 

"Der Kommentator hat mein Tor zum 2:0 falsch gesehen. Aus meiner Sicht war es so: Mirko Votava ist umgefallen, daraufhin kam der Ball zum Holzbein von Klaus. Er hatte Angst und haut den Ball irgendwie nach vorne. Und dann kam ich, ich war super drauf, musste viel arbeiten, weil Klaus mit seinem Holzbein einen so schlechten Pass gespielt hat. Aber ich habe trotzdem das Tor gemacht."

 

"Das Spiel damals war schon deswegen ein unglaubliches Erlebnis für mich, weil ich auf dem Rückflug nach Bremen zum ersten Mal in meinem Leben gegen meinen Vater im Schach gewonnen habe. Danke für die Tipps Marco Bode."

 

"Jetzt noch eine Super-Geschichte: Nach meiner Werder-Zeit habe ich in Japan für JEF United gespielt. Wir mussten zu einem Auswärtsspiel, wo Arsene Wenger (1992 Trainer des AS Monaco) der Coach war. Ich brachte meine Tasche in die Kabine und lief raus auf dem Platz um das Spielfeld zu begutachten. Ich ging auch zu Arsene Wenger, um ihn zu begrüßen. Normalerweise spricht man dann über Sushi und das Wetter oder so. Aber die ersten Worte, die Wenger zu mir sagte, waren: ‚Ich bin immer noch fertig!‘ Ich habe das im ersten Moment gar nicht verstanden. Aber dann fing er an, vom Finale 1992 zu erzählen. Er hatte sich damals wie beim Schachspielen vorbereitet. Er ist eine Art Fußball-Wissenschaftler. Und er hätte nie geglaubt, dass Klaus auflaufen würde. Er hatte mit Stefan Kohn gerechnet. Und als er auf die Aufstellung sah, konnte er nicht glauben, dass Klaus mit seinem Holzbein spielt und wir durch diesen Zufall von Otto die Partie gewonnen haben."

 

Henning Scherf (ehemaliger Bürgermeister von Bremen):

 

"Ich weiß noch ganz genau, wie viele Leute den Klaus Allofs abgeschrieben haben, als er nach Bremen kam. ‚Wie kann man nur einen Profi holen, der seine Karriere schon hinter sich hat‘. Dann hat er ein Tor und die Vorlage zum zweiten Treffer gegeben. Ich stand damals als Fan auf dem Domshof und habe die Daumen gedrückt und nach Abpfiff geschunkelt und getanzt. Der Klaus Allofs hat gespielt wie im Rausch, als ob er allen zeigen wollte, dass er noch kein altes Eisen ist. Gemeinsam mit Thomas Schaaf hat er die besten Kommentare der Fachjournalisten bekommen."

 

Dr. Franz Böhmert (damals Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident des SV Werder):

 

Ich kann mich erinnern, dass es damals noch gar nicht sicher war, ob wir am 7. Mai überhaupt in Bremen ankommen. Wenn ich an unseren Rückflug und die Passagiere denke, dann lief ja alles sehr feuchtfröhlich und mit viel Bewegung ab. Nach ungefähr einer Stunde kam der Kapitän zu mir und sagte: ‚Herr Böhmert wir haben Probleme mit der Stabilität, bitte sorgen sie dafür, dass die La Ola-Wellen im Flugzeug aufhören. Nach zweistündiger Verspätung sind wir dann doch gelandet."

 

Otto Rehhagel (griechischer Nationaltrainer / damaliger Werder-Trainer):

 

"Zum Torschützen Klaus Allofs muss ich noch eine Geschichte erzählen. Damals, bevor wir ihn verpflichtet haben, hatte Klaus ein paar Probleme mit seinem Knie. Als wir nach den Verhandlungen gespannt auf das Urteil unseres Mannschaftsarztes warteten, kam er herein und sagte: ‚Ich lehne jede Verantwortung ab, dieser Mann hat kein Knie mehr. Trotzdem setzte ich mich durch. Heute wissen wir: Der Klaus hat ohne Knie damals den Europapokal für uns geholt."

 

Klaus Allofs (heutiger Geschäftsführer Profifußball und Vorsitzender der Geschäftsführung von Werder Bremen):

 

"Das schöne an so einer 10-Jahre-Feier ist ja, dass nach zehn Jahren die Geschichten immer schöner werden. Aus einem "lädierten" Knie, wird dann "kein" Knie. Aber wahr ist, dass ich Probleme hatte. Vor dem Spiel gab es tatsächlich große Diskussionen um die Aufstellung, auch unter uns Spielern. Von der Mannschaft wurde das eine oder andere Mal meine Defensivarbeit kritisiert, deswegen war nicht ganz klar, ob ich auflaufen werde. Natürlich hatte ich darauf gehofft, weil ich zuvor drei Jahre in Frankreich gespielt habe und gerade gegen eine französische Mannschaft dabei sein wollte. Dass wir dann den großen Favoriten AS Monaco geschlagen haben war sensationell. Auf dem Papier waren wir nicht die überragende Mannschaft, aber als Gemeinschaft waren wir etwas Außergewöhnliches."

 

Manfred Bockenfeld (damaliger Werder-Profi):

 

"Wenn ich die Mitspieler so sehe, dann kann man die Faustregel aufstellen, dass in jedem der zehn Jahre bei vielen ein Kilo dazugekommen ist. Aber sonst haben sie sich gut gehalten."

 

Marco Bode (damaliger Werder-Profi):

 

"Ich freue mich wirklich, die alten Kollegen wiederzusehen. Ich war ja damals vergleichsweise noch ein ganz kleiner Junge. Otto und vielleicht auch Beate haben dafür gesorgt, dass ich in die Mannschaft komme, weil ich Abitur habe. Ich bin sehr glücklich, dass wir soviel Erfolg hatten und ich bin stolz, dass ich in dieser Mannschaft spielen durfte."

 

Schöne Erinnerungen hin, lustige Anekdoten her. Der Titel von Istanbul hätte für Allofs einen ganz besonderen Stellenwert: "Die Zeit als Spieler ist Vergangenheit, in meiner jetzigen Funktion habe ich noch keinen internationalen Titel geholt. Deswegen würde ich diesen Erfolg für mich persönlich ganz oben ansiedeln. Auch für den Verein und für den deutschen Fußball wäre der Sieg wichtig. Es gibt im Vereinsfußball eben nur die Champions League und den UEFA-Pokal und es kommt nicht oft vor, dass wir so eine Chance bekommen."

 

Im Erfolgsfall wäre schon jetzt jeder Fan gespannt, welche Geschichten sich dann um dieses Finale ranken werden. Hoffentlich werden sie nicht erst in zehn Jahren erzählt.

 

aus Istanbul berichtet Michael Rudolph

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